FFG

FFG 2012, Tag 3: Nach der Keynote

Das Schöne am Frühjahrsfachgespräch: Vor, in und nach den Vorträgen wird man abgefüllt mit Know-how. Das Anstrengende am Frühjahrsfachgespräch: Vor, in und nach den Vorträgen wird man abgefüllt mit Know-how. 🙂

Weil es uns nicht anders geht, bekommt Ihr hier noch mal eine Zusammenfassung vieler Vorträge – beginnen wir heute mit denen von Donnerstag, d. 1. März, direkt nach der Keynote.

Vinzenz Vietzke kam bei „Open-Source-Entwicklung im Kundenauftrag“ auf ähnliche Probleme wie Johannes Loxen in der Keynote zu sprechen – wenn auch aus anderer Perspektive. Und Florian Effenberger berichtete aus der sehr aktiven LibreOffice-Community (Slides, Proceeding in der aktuellen UpTimes). Dabei wiederum auch in Bezug auf die Keynote interessant: Die garantierten Rechte, die LibreOffice-Entwicklern zugesichert werden können, weil das Projekt von einer Stiftung – der Document Foundation – getragen wird.

Matthias Müller widmete sich derweil Redundanzanforderungen und Bernd Erk anschließend in einem sehr vollem Raum dem Monitoring-Tool Icinga: Einige Besucher saßen gar auf dem Fußboden. Sorry, da haben wir uns schlichtweg verschätzt – und danke für Euren „Beamer-Hack“:

Die Birne des Beamers hatte sich lautstark verabschiedet. Der GUUG-Ersatzbeamer war in weniger als 5 Minuten aufgebaut. Be prepared …. Foto: Hella Breitkopf, CC-BY-SA

Bernd Erk überfüllte den Vortragsraum: Enterprise Monitoring mit Icinga Foto: Hella Breitkopf, CC-BY-SA

Bernd Erk erläutert die Ecinga Architektur. Foto: Hella Breitkopf, CC-BY-SA

Nach dem Mittag standen im „roten Würfel“, dem größten Hörsaal hier an der Hochschule, Soft Skills im Vordergrund:

Felix Pfefferkorn berichtete von seiner Tätigkeit als Ausbildungsleiter bei 1&1, bei der für ihn folgende Komponenten im Mittelpunkt stehen:

  • Man sollte den Spieltrieb und die Neugier anregen: dazu gehört es auch, von betrieblicher Seite Raum und Ausrüstung bereitzustellen, damit Mitarbeiter experimentieren können.
  • Mitarbeiter sollten auch die Zeit zur Weiterbildung bekommen – dazu gehört auch, VPN-Zugänge zu ermöglichen, damit bspw. „junge Väter von zuhause reinschauen können“.
  • Die Kompetenzen eines einzelnen müssen im Team und vom Vorgesetzten geschätzt werden – dazu gehört auch, ein realistisches Vorschlagswesen einzuführen.
  • Vorgesetzte sind Vorbilder: Auch Führungskräfte sollten zu Weiterbildungen fahren.

„Weiterbildung gehört zu einem vernünftigen Betriebsablauf und ist ein Gradmesser für die Zufriedenheit der Mitarbeiter!“ – Felix Pfefferkorn berichtet aus der Praxis. Foto: Corina Pahrmann, CC-BY-SA

Im Anschluss hielt Thomas Rose in seinem Vortrag „Gesunder Umgang mit Kritik“ eine Reihe hilfreicher Tipps bereit, wie man mit Kollegen gerade in Krisensituationen umgeht. Übrigens, die Hauptursache dafür, dass wir uns in stressigen Situationen schon mal idiotisch aufführen, liegt am ausgeschütteten Adrenalin. Roses wichtigster Tipp also, erst einmal tief durchzuatmen, wenn es hart auf hart kommt.

„Das Einfachste der Welt ist, so zu sein, wie man ist. Das Schwerste der Welt ist, so zu sein, wie einen alle anderen haben wollen.“ – Thomas Rose über das richtige Verhalten als Führungskraft. Foto: Dirk Wetter, CC BY-NC-SA

Im Gegentrack ging es technisch zu: Stefan Neufeind stellte die Sysad-Tools facter, puppet und augeas vor und bewies dabei, dass zentrale Systemverwaltung nicht nur zeitsparend, sondern auch weniger fehleranfällig ist (Proceeding in der aktuellen UpTimes). Andreas Schmidt schloss sich mit der Präsentation parallelisierter Administration mit Marionette Collective an – das übrigens aus derselben Softwareschmiede wie Puppet kommt (Slides, Proceeding in der aktuellen UpTimes).

Die „Sündenfälle der IT“ zeigte uns Oliver Rath nach der Kaffeepause: Protokolle wie FTP, Netzwerktechniken wie TCP/IP , Hardware wie schnell abgenutzte HDMI-Stecker oder die Ein-Knopf-Maus, Prinzipien wie ISO9000, die nicht für gute Software, sondern nur dafür sorgt „dass die Fehler nachvollziehbar sind“ … die Liste „historisch gewachsenen Unkrauts war lang und wurde im Publikum rege diskutiert. Wer ist schuld daran, dass die bei vi ständig benötigte Taste so unpraktisch auf der Tastatur liegt? Der Fakt, dass es heute keine Unix-Tastaturen mehr gibt, für die ESC als befehlseinleitende Taste einst ausgewählt wurde, oder der Fakt, dass auch einfach keine Verbesserung gefunden wird?

Die letzten vier Vorträge dann wieder geballtes technisches Wissen: Jens Link stellte die Adressierungsarten Anycast und Multicast vor, danach ging Johannes Hubertz auf IPv6 ein (Proceeding in der aktuellen UpTimes). Nebenan in gewohnt unterhaltsamer Art und Weise: Erkan Yanar, wie viele andere bereits wiederholt auf dem Frühjahrsfachgespräch, erklärte LinuX-Container und Franz Haberhauer, wie man bei modernen Netzwerken für genügend Ressourcen sorgt (Proceeding in der aktuellen UpTimes).

Nach einer kurzen Verschnaufpause dann: Hackerhaus. Deftiges Essen, helles und dunkles Bier, urige Atmosphäre – und wie immer ganz viel Austausch, so wie wir es vom FFG gewohnt sind!

Andrang am Buffet: Der Beginn eines schönen Abends im Hackerhaus. Foto: Dirk Wetter, CC BY-NC-SA

Über dies und das: Am interessantesten ist es doch immer, wenn man sich mal direkt austauscht. Foto: Corina Pahrmann, CC-BY-SA

Die Vorträge vom darauffolgenden Tag FFG werden ebenfalls in Kürze hier vorgestellt.

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Text: Corina Pahrmann/GUUG

FFG2012, Tag 3: Die Keynote von Johannes Loxen

Startpunkt des Vortragsprogramms eines jeden Frühjahrsfachgesprächs ist natürlich die Keynote – in diesem Jahr hervorragend bestritten von Johannes Loxen. Vielen GUUGlern persönlich bekannt, steht Johannes für klare und sicher auch streitbare Thesen, die es schaffen, die eigene, manchmal eingefahrene Meinung zu überdenken.

Meinung wozu? Open Source ist Johannes‘ Thema: Seit mehr als 20 Jahren schon in der IT-Szene unterwegs, engagiert er sich der SerNet-Mitgründer vor allem für Open-Source-Technologien im Unternehmensumfeld und zählt zu einem der langjährigen Unterstützer von Samba. Mit der SerNet entwickelt er außerdem verinice – eine Software, die Unternehmen beim Aufbau von Sicherheitsmanagement unterstützt.

Verinice wurde von Loxen und seinen Kollegen bewusst von Anfang an unter der GPL veröffentlicht: „Ich bin der Überzeugung, dass man mit Open-Source-Software besser fährt“, erklärte Loxen dem erwartungsgemäß zustimmenden FFG-Publikum. Das hinter der Entscheidung für Open Source nicht nur sachliche Argumente, sondern auch Mentalitätsunterschiede stecken, erkenne man so: „Windowsuser hören schneller auf zu denken, wenn Fehler auftauchen und rufen den Herstellersupport an. Im Open-Source-Umfeld fängt man dagegen an zu denken, wenn etwas nicht läuft. ITler, die Open-Source-Technologien einsetzen, gehen einfach erwachsener mit Problemen um.“

Knapp 120 Besucher kamen allein zur Keynote – insgesamt nahmen 170 IT-Profis an der Konferenz teil. Foto: Corina Pahrmann, CC-by-SA

Open-Source-Entwickler sollten aber darauf achten, nicht bloß als Steigbügelhalter missbraucht zu werden – und damit kam Loxen auf den Kern seines Vortrages: Wo steht Open Source heute? Im Hinblick auf Cloud Computing und Mobile Devices – den zwei am stärksten wachsenden Segmenten der Branche – kann man beobachten, dass Open-Source-Technologien zwar die Grundlage vieler erfolgreicher Produkte bilden, aber in ihrem Zusammenspiel wiederum nicht quelloffen sind: „Wir stellen tolle Software her, die dann aber in geschlossenen Systemen läuft. Und mehr noch: Für den Anwender ist es schlichtweg nicht relevant, ob und welche App auf seinem iPhone oder Android-Phone unter der GPL veröffentlicht ist.“ Und wenn Apple dann auch noch vorgibt, wie die Open-Source-basierte App im iTunes Store verkauft werden soll, „kann ichs auch gleich lassen“, stellte Johannes fest.

Nach der „Gefängniszelle Smartphone“ kam er dann auf Clouds zu sprechen: „Immer mehr Software, die wir mal geschrieben haben, verschwindet hinter der Firewall. Die Community erhält wenig zurück.“ Gleichzeitig verliere man gute Köpfe, z.B. an Google: „Unsere besten Projekte werden verlangsamt, unsere besten Leute abgezogen.“

Ein Grund, davor zu warnen, eigene Ideale zu verlieren und bloßer Auftragsarbeiter zu werden: „Entwickler gehen natürlich gern dahin, wo es am wärmsten ist. Aber irgendwann ist man nicht mehr Herr der eigenen Gedanken.“ Wenn freie Software zudem komplett unsichtbar wird, konterkariere das komplett die Grundidee von Open Source. Dass der Szene die Entwickler fehlen, könne man bei vielen ins Stocken geratenen Projekten sehen.

Schwieriger wird es zudem, wenn die Software immer komplexer wird: „Bei Samba braucht ein ambitionierter Entwickler gut zwei Jahre, bis er substanziell am Code mitarbeiten kann. Aktuell stemmen zehn Leute gut 95 Prozent der Programmierung. Das ist zwar noch Open Source – aber faktisch unveränderlich! Die Argumente, dass man Open-Source-Software an eigene Bedürfnisse selber anpassen kann, sind hier Quark!“

Nach einigen Anekdoten und Sidesteps – insbesondere auf Linus Torvalds‘ aktuelle Aussagen zu SUSE Linux – kam Johannes auf die Gretchenfrage für Open-Source-Anhänger zurück: Bleibe ich selbstbestimmter, freier Entwickler oder entscheide ich mich dafür, vollständig nach Kundenwünschen zu programmieren? „Das ist ein klassischer Zielkonflikt: Es gibt diejenigen, die sich drei Jahre zurückziehen wollen, um dann ein innovatives, perfektes Release vorzulegen. Und es gibt diejenigen, die im Hinblick auf ihre bestehenden Kunden einfach immer funktionierende Software haben möchten.“ – Beides gehe schlichtweg nicht, der „Mittelweg ist instabil“. Jeder Entwickler müsse genau prüfen, was für ihn im Vordergrund steht und dürfe sich nicht zwischen beiden Lagern zerreißen.

Vereinen sollte alle jedoch das Streben nach Interoperabilität: Die entwickelte Software muss sich problemlos in bestehende Systeme eingliedern können. In der Kommunikation mit Kunden – wie beispielsweise Ämtern, die darüber nachdenken, ihre Systeme auf Open Source umzustellen – sollte man daher auch nicht länger nur mit dem Vorteil der Quelloffenheit an sich argumentieren. „Viel entscheidender ist doch, dass offene Standards dabei helfen, einzelne Programme und Prozesse viel besser in bestehende Systeme integrieren.“

„Für unsere Kunden steht Linux doch genau nebem Windows im Regal – was macht uns besser?“ – Johannes Loxen bei seiner Keynote zur Frage der Argumentation für Open-Source-Technologien. Foto: Hella Breitkopf, CC-by-SA

Im Publikum wurde seine Keynote sehr positiv aufgenommen. Gerade der Aufruf, sich der eigenen Ideale zu versichern und die Vorteile von Open Source nicht nur gegenüber der Kunden zu vertreten, sondern diese auch davon zu überzeugen, eigene Lösungen ebenfalls unter freien Lizenzen zu veröffentlichen, entspricht der Haltung vieler auf dem Frühjahrsfachgespräch. In diesem Sinne konnte Johannes die Besucher sicherlich neu einschwören – zumal er als gerade auch im unternehmerischen Umfeld mit SerNet erfolgreich arbeitet und seine Ansichten authentisch vertreten kann.

Nach der Keynote (und einer diskussionsintensiven Kaffeepause) starteten beide Vortragstracks des FFG – Eindrücke & Inhalte in Kürze hier im Blog.

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Text: Corina Pahrmann/GUUG

FFG-Vortragsprogramm hat begonnen

München ist nett zu uns: Nach so vielen Tagen grau in grau scheint hier nun die Sonne! Und das nicht nur draußen, auch das Frühjahrsfachgespräch hat – man will fast sagen „gewohnt“ – freundlich begonnen: Mehr als hundert Leute kamen allein zur Keynote und hörten sich da Johannes Loxens Einschätzungen zur Open-Source-Szene an. Dazu später noch mehr.

Vor Beginn der Keynote gab es natürlich Worte zur Eröffnung – GUUG-Vorsitzender Wolfgang Stief gab ein paar praktische Dinge bekannt, die wir gern hier noch einmal wiedergeben:

  • die Vorträge des „rechten Tracks“ auf dem Programm finden fast vollständig im großen Hörsaal („roter Würfel“) statt
  • für Vorträge des „linken Tracks“ geht Ihr bitte den Gang entlang in Raum 1003.
  • die Proceedings findet Ihr in der aktuellen UpTimes, die den Konferenztaschen beiliegt und auch diese Woche an alle Mitglieder verschickt wird.
  • Eindrücke, Meinungen, Fotos, Berichte: dürft Ihr gern twittern – bitte dafür den Hashtag #ffg2012 benutzen und/oder an redaktion@guug.de senden. Diesen Alias lesen Wolfgang, Anika Kehrer und ich, Corina Pahrmann – wir alle sammeln Eure Zitate fürs Blog und die Uptimes. Im Falle einer Veröffentlichung informieren wir Euch selbstverständlich noch einmal – vorher. Danke für Eure Mithilfe!
  • Mittagessen gibt es für uns in der Kantine des Bayerischen Sozialministeriums, ein paar Meter von der Hochschule entfernt. Bitte denkt an Eure Badges, damit bekommt Ihr Einlass. Außerdem wäre es den Kollegen dort auch lieb, wenn wir nicht alle gleichzeitig losstürmen 😉
  • Das Social Event findet heute abend im Hackerhaus statt. Nur, falls Ihr es Euch nicht eh schon denken konntet 🙂 Ihr könnt Euch entweder jemandem an die Fersen heften oder hier nachlesen, wie Ihr hinkommt. Außerdem liegen bei Bernd am Infodesk Wegbeschreibungen aus. Bei Anfahrt mit der Bahn löst bitte einen normalen Einzelfahrschein für 2,50 € (bzw. 2,40 € mit Geldkarte).
  • Nach 2012 kommt 2013: Das nächste FFG findet – natürlich im Frühjahr – in Frankfurt statt!

Habe ich was vergessen? Dann meldet Euch via Twitter, Identi.ca, Facebook, Google +, XING, Mail oder einfach persönlich 🙂

Dirk Wetter ging eben als Program Chair noch auf einzelne Vorträge bzw. eine Änderung ein: Wie gestern schon mitgeteilt, wird es einen sicherlich unterhaltsamen Vortrag „Emacs vs. Vi“ geben. Volker Lendeckes Samba-Vortrag muss stattdessen leider ausfallen.

Und dann gings los: Johannes Loxen begann seine Keynote „Open Source und der Stress“. Johannes brachte eine Reihe guter Thesen zur aktuellen Lage der Open-Source-Szene. Ich gehe darauf in einem gesonderten Blogartikel noch näher ein – nur soviel: Aufgrund seiner mehr als 20 Jahre langen Erfahrungen mit Open-Source-Software, insbesondere, wenn man damit auch Geld verdienen will oder muss, konnte Johannes einige wirklich beeindruckende und auch provozierende Aussagen treffen. Die Kaffeepause nach der Keynote war jedenfalls sehr diskussionsintensiv 😉

Johannes Loxen in seiner Keynote

Und weiter geht’s mit den nächsten Vorträgen  – viel Spaß beim Frühjahrsfachgespräch!

Text: Corina Pahrmann/GUUG